Am Beispiel der Berichterstattung über den heutigten Berlin- Besuch von Barack Obama lassen sich die Unterschiede zwischen den “kritischen” Zeitungen im linken Spektrum gut herausarbeiten. Während Bernd Pickert von der taz hin und weg von dem disignierten demokratischen Präsidentschasftskandidaten zu sein scheint, nimmt die JW die Intentionen seiner öffentlichen berliner (Wahlkampf-)rede genauer unter die Lupe.

Sie kommt wohl damit der Wahrheit näher als die taz. Obama ist sicher nach zwei Amtsperioden von Bush ein Hoffnungsträger und niemand würde es der afroamerikanischen Bevölkerung nicht gönnen, endlich einen US- Präsidenten aus ihren Reihen haben zu können. - Obwohl, “aus ihren Reihen” ist wohl übertrieben. Zwischen Barack Obama und einen Bewohner von Harlem liegen Welten, sozioökonomisch betrachtet.

Obama ist zudem niemand, der Abstand von amerikanischen Weltmachtansprüchen nehmen will. Er verbleibt in diesem Paradigma, ist jedoch Realpolitiker genug, um zu erkennen, dass die USA derzeit nach der Intervention im Irak ihre Grenzen erreicht haben. Dass sich Barack Obamas Wahlkampfrede nicht nur an in Berlin lebende US- Amerikaner richtete, zeigten seine verklärten Verweise auf die Luftbrücke und die Rolle der USA während des Kalten Krieges als “Schutzparton der freien Welt” nur zu gut. Er appellierte an die deutsche Bevölkerung. Sie solle die Wichtigkeit kooperativer (!) transatlantischer Beziehungen in der Zeit des internationalen Terrorismus erkennen. Im Klartext heißt das: “Wir haben uns übernommen. Amerika wird unter meiner Führung Europa wieder ernster nehmen. Helft uns, sendet uns weitere Truppen, damit wir unsere “Missionen” zu Ende führen können. Wir haben euch früher schon “erfolgreich” beschützt und dominiert. Wir könnten es weiter tun.”

Obama wird kein Präsident des Friedens und der Aufgabe der amerikanischen Machtpolitik, auch wenn er für bedachteres Handeln und mehr Kooperation eintritt. Bush light, vielleicht sogar extra leicht. Mehr aber auch nicht. Aber immerhin etwas.