Wir alle kennen diese Diskussion über Wolles letzten Querschlag. Eine liberale Abtreibungspolitik in der DDR hätte dazu geführt, dass ostdeutsche (Raben)müttern sogar auf den Aufwand einer Operation verzichten wollten, um sich ungewollter Kinder zu entledigen. Von dem Aufwand der Benutzung herkömmlicher Verhütungsmittel mal ganz abgesehen. Meint Wolle. So sinngeäß.

Ich bin eine ostdeutsche Frau und nehme die Pille. Wahrscheinlich wäre Herr Böhmer erstaunt. Am Ende käme ich noch in einen Glaskasten in der Empfangshalle seines Amtssitzes, als seltenes Exemplar. Wir müssen die Tatsache nicht weiter diskutieren, dass ich sicherlich nicht die Einzige im Ostteil der Republik bin, für die Abtreibung oder der Mord an Säuglingen nicht unbedingt Mittel der Familienplanung sind. Mord ist wohl glücklicherweise allgemein indiskutabel, man muss auch nicht politischer Abtreibungsgegner sein, um solche Praxen nicht als Mittel der regelmäßigen Familienplanung gut zu heißen.

Versteht sich von selbst. Wir alle wissen es und wir können uns doch ehrlich gesagt beim besten Willen nicht vorstellen, dass Herr Böhmer davon noch nie gehört hat. Dieser Beitrag ist gar nicht dazu gedacht, um die realen Hintergründe von Kindesmord zu diskutieren. Vielmehr will ich abstrakt danach fragen: Was denken sich Politiker wie Böhmer einfach? Einen Tag lang möchte ich gern mal bei ihm Mäuschen spielen. Haben übereifrige Mitarbeiter aus Sachsen- Anhalt eine Studie darüber ausgegraben, dass es einen gewissen Prozentsatz antiliberaler Abtreibungsgegner in der CDU/ in Sachsen- Anhalt. Meint Wolle, diese paar Prozent, die auf solche übersteigerten, diskriminierenden Äußerungen anspringen, werden bei der Landtagswahl das Zünglein an der Waage sein? Alle anderen werden den Blödsinn über die ostdeutschen Kindsmörderinnen wohl sowieso bis dahin wieder vergessen haben?

Die strategischen Erwägungen der Politiker sind unergründlich, oft gerade unlogisch und- wie das Beispiel Hessen dann eindrucksvoll gezeigt- auch lange nicht immer erfolgreich! Hoffen wir, dass es dem Wolle ähnlich gehen wird wie dem Roland und dass zumindest der entscheidene Teil des Publikums bei ihm wenigstens so viel Intelligenz mitbringt, um ihm nicht auf die Schippe zu springen!

Ganz nebenbei bemerkt: Mit einer vernümpftigen Sozialpolitik, der Erhaltung sozialstaatlicher Beratungs-, Betreuungs- und Hilfseinichtungen für junge Mütter und einer staatlichen Regulierungspolitik, die den Schutz vor geschlechtsspezifischer Diskriminierung in der kapitalistischen Wirtschaft garantiert, könnten vielleicht viele geborene und ungeborene Leben präventiv gerettet werden. Dazu bedarf es vielleicht nicht einmal unterdrückerischer Gesetze, in denen Frauen das Verfügungsrecht über den eigenen paternalistisch- autoritär entzogen wird. (In einem unserer Nachbarstaaten ohne Gegenleistung in Form von sozialen Rechten!)



One Response to “Einen Tag mal Mäuschen bei Wolle- Oder was sich Politiker wie Wolfgang Böhmer eigentlich denken?!”  

  1. 1 Roman

    Ich denke, dass dieser Politiker sich einfach keine Gedanken gemacht hat, was für eine Wirkung seine Worte entfalten. Oder er wollte provozieren, um des provozierens willen, weil er sich selber zu wenig wahrgenommen fühlt. Ich denke kaum, dass man mit solchen dummen Äusserungen einen Wähler gewinnen kann.
    Danke für deinen Kommentar in meinem Blog.

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